20 Jahre Fachschule für Betriebswirtschaft an der Hans-Viessmann-Schule

20 Jahre Fachschule für Betriebswirtschaft an der Hans-Viessmann-Schule19 Jahre vierjährige Form, ein Jahr dreijährige Form

Ein Fazit der Klasse 01 FSBW:

Wir sind die erste Klasse in der neuen 3-jährigen Form der Fachschule für Betriebswirtschaft, mit der im Sommer 2017 begonnen wurde.

 

Für die meisten von uns war die Aussicht, ein Jahr Unterricht an der Fachschule „einsparen“ zu können, ein attraktiver Grund, sich dort anzumelden. Der Zeitraum erscheint irgendwie überschaubarer als die bisherigen vier Jahre.

 

Allerdings haben wir aber festgestellt, dass das Ganze schon ziemlich anstrengend ist, denn die Anzahl der Unterrichtstage pro Woche hat sich wegen der Verkürzung von drei auf vier erhöht.

Wir treffen uns jetzt jeden Montag-, Mittwoch- und Donnerstagabend und außerdem noch samstagsvormittags (außer in den hessischen Schulferien). Wenn die nicht wären, hätten wir eindeutig zu wenig Freizeit. Das Ganze ist schon anspruchsvoll, besonders wenn sich - wie zuletzt

vor den Weihnachtsferien - die Klausuren „ballen“ und wegen der vier Unterrichtstage und der beruflichen Verpflichtungen nur noch ganz wenig Zeit zum Lernen bleibt.

 

Im Sommer wählen wir unseren Studienschwerpunkt (Controlling, Marketing oder Personalwesen)

und haben dann noch zwei Jahre Zeit, uns auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten.

 

Ob sich die ganze Mühe lohnt, werden wir wohl erst später sehen, aber von vielen Vorgängern -

Arbeitskollegen, Bekannten und Freunden – wissen wir, dass der Besuch der Fachschule schon einen Bewerbungsvorteil bietet.

Ein Fazit der langjährigen Klassenlehrerin Andrea Heyn:

Im Jahr 1998 wurde die Fachschule für Betriebswirtschaft an der Hans-Viessmann-Schule in Frankenberg gegründet. Damals war ich erst zwei Jahre dort beschäftigt, hatte aber schon vorher Erwachsenenbildung gemacht und in der (schon länger bestehenden) Fachschule für Maschinentechnik unterrichtet und bin deshalb gleich in die neue Fachschule „eingestiegen“.

Die Schulzeiten in der berufsbegleitenden Fachschule sind für Lehrkräfte ungewöhnlich : abends ab 18 Uhr und samstagsvormittags. Mir hat das aber immer gut gepasst und Erwachsenenbildung ist eine sehr „dankbare“ Tätigkeit, deshalb bin ich jetzt schon die ganzen 20 Jahre „mit dabei“.

Die Klassenleitung habe ich aber erst beim zweiten Jahrgang, der 1999 begann, übernommen und seither alle neuen Klassen als Klassenlehrerin vom Anfang bis zum Ende ihrer Verweildauer begleitet.

 

Damals wurde als Studienschwerpunkt das recht neue Fachgebiet Controlling angeboten; vor einigen Jahren wurden die Schwerpunkte auf Wunsch der einheimischen Wirtschaft um Marketing und kürzlich um Personalwesen erweitert.

 

Ich habe großen Respekt für die Leistung derjenigen, die die Fachschule (bisher nach vier, neuerdings nach drei Jahren) erfolgreich beenden. Ich sage immer : „Ich würde das nicht schaffen!“

Die meisten  Absolventen sind nämlich berufstätig, viele in Vollzeit, und zusammen mit den privaten Verpflichtungen, die ja jeder hat, ist das eigentlich schon ein ausreichendes „Pensum“. Dazu kommen bei den Fachschülern aber noch bis zu 20 Unterrichtsstunden pro Woche und das Lernen für Klassenarbeiten! Um das zu schaffen, muss man sehr belastbar sein und sich gut organisieren können.

 

Die meisten Absolventen wissen aber ganz genau, warum sie sich das „antun“ : Eine abgeschlossene Berufsausbildung allein genügt heute schon nicht mehr, um beruflich aufsteigen zu können. Es hat uns Lehrkräfte sehr gefreut mitzuerleben, wie einige Absolventen schon während ihrer Weiterbildung an der Fachschule höherqualifizierte Stellen antreten konnten, und wenn wir bei gelegentlichen Betriebsbesichtigungen in Frankenberg und Umgebung ehemalige Fachschüler und -schülerinnen in Führungspositionen wiedersehen, sind wir immer ganz stolz.

Bisher habe ich alle zwei Jahre den erfolgreichen Absolventen unserer Fachschule ihre Abschlusszeugnisse verliehen, und es war immer ein ganz besonderes „Highlight“ im Lehrerinnenleben, dabei zu sehen, wie viele es wieder geschafft hatten – auch wenn es manchmal nicht einfach gewesen ist.

Ein Rückblick auf die ersten Jahre seitens des ehemaligen Abteilungsleiters der Kaufmännischen Abteilung, Herrn Studiendirektor Bernward Zurwehme

Nun besteht sie schon 20 Jahre – die Fachschule für Betriebswirtschaft –  und ist, längst ein Erfolgsmodell, aus dem Bildungskanon der Hans-Viessmann-Schule nicht mehr weg zu denken. Noch sehr gut erinnere ich mich an jene Zeit der Konzeption und Einführung. Es war der damalige Leiter der Hans-Viessmann-Schule, Herr Oberstudiendirektor Dietrich Meyer, der mit mir gemeinsam überlegen wollte, wie wir für unsere dualen Auszubildenden, insbesondere aus der Industrie, die Möglichkeit einer qualifizierten Weiterbildung neben der Berufsausbildung bzw. der täglichen Arbeit ermöglichen. Dazu muss man wissen, dass zu jener Zeit zunehmend Bildungsträger, Berufsakademien und Fachhochschulen der Meinung waren, die traditionelle Kammerausbildung kann man so nebenbei mit erledigen. Das hätte das Ende der klassischen Ausbildung zum Industriekaufmann bedeuten können. Gegen diese Entwicklung galt es gegenzusteuern.

Ergebnis unserer gemeinsamen Überlegungen sollte ein modulares Bildungskonzept werden, das bereits während der dreijährigen Ausbildung zum Industriekaufmann beginnt und mit einer ein bis zweijährigen Ergänzung zum Abschluss des staatlich geprüften Betriebswirts führen sollte. Ein entsprechendes Konzept haben Herr Meyer und ich dem Kultusministerium vorgestellt und in der heimischen Wirtschaft beworben. Diesen Sonderweg konnte Hessen seinerzeit leider nicht gehen, da die Fachschulen bundesweit einheitlich geregelt sind und somit die Konferenz der Kultusminister hätte eingeschaltet werden müssen.

Um diesen fast aussichtslosen Weg nicht gehen zu müssen, gab uns das Kultusministerium in Anerkennung unseres Bemühens um Möglichkeiten zur Weiterbildung grünes Licht für die Einrichtung einer klassischen Fachschule für Betriebswirtschaft mit dem damals noch neuen Profil „Controlling“.

Der Rest der Geschichte erzählt sich jetzt schnell:

Es galt zunächst für die neue Schulform zu werben, ein nicht ganz leichtes Unterfangen. – „Betriebswirte brauchen wir nicht“ - Ein beharrliches Insistieren auf die Notwendigkeit einer auf die Erstausbildung aufsetzenden Weiterbildung wurde schließlich nach und nach akzeptiert.  Es dauerte schon seine Zeit, bis in den Betrieben erkannt wurde, dass es sich bei den Absolventinnen und Absolventen der Fachschule nicht um „Betriebswirte light“ handelte. Die Fachschule hätte keine 20 Jahre überdauert, wäre sie nicht ein erfolgreiches Weiterbildungskonzept geworden.

Kein größeres Problem indessen war es, freiwillige Lehrkräfte zu finden, die die hohe Verantwortung spürten, sich dem Unterricht abends und samstags mit Erwachsenen auszusetzen. Ich bin noch heute von großem Dank erfüllt gegenüber jenen  Kolleginnen und Kollegen der ersten Stunde, die in einer äußerst erfolgreichen Zusammenarbeit die nicht immer ganz leichten Probleme lösten. Eine Reihe dieser Lehrkräfte sind noch heute tragende Säulen der Fachschule und ihrer inhaltlichen und methodischen Qualität. Nicht unerwähnt soll  bleiben, dass es auch gelang, hervorragende Dozenten aus der Praxis zu gewinnen, die zu einer Bereicherung des Unterrichts beigetragen haben.

Bereits ab dem Jahr 2005 hat sich unser Team einer Fremdevaluation innerhalb eines Projekts des Hessischen Kultusministers unterzogen. In diesem, MOVEIVER genannten Projekt, gelang ein fachlich exzellenter Austausch mit zwei Fachschulen aus Darmstadt (Martin-Behaim-Schule und Alice-Eleonoren-Schule). Die Fachschule bekam ein eigenes Steuerungsinstrument in Form einer Balanced Scorecard und so konnte über ständige Rückkopplung im Hause und mit den befreundeten Schulen die inhaltliche und methodische Prägung der Fachschule vorangetrieben werden.

Noch heute bin ich fest überzeugt, dass die Ausbildung im dualen System der Berufsausbildung mit entsprechender fachlich qualifizierter Weiterbildung, die die ständigen Veränderungen in der Wirtschaft – und hier insbesondere in der heimischen Wirtschaft –  aufnimmt, ein noch immer zukunftsträchtiger Bildungsweg für viele junge Erwachsene darstellt und inflationären Bildungstendenzen im sogenannten „Studium“ überlegen sein kann. Warum soll jemand, der sein Leben lang in einem Beruf gelernt hat, in der betrieblichen Praxis sich weitergebildet hat, weniger erfolgreich sein als ein „Studierter? 

International werden wir um unsere Berufsbildung beneidet. Auch wenn es mich manchmal bekümmert, dass wir in Deutschland mit diesem Gut „Duale Ausbildung“ zuweilen stiefmütterlich umgehen, bleibe ich überzeugt, dass auch der Fachschule für Betriebswirtschaft in Verbindung mit diesem System eine erfolgreiche Zukunft sicher sein wird.

Möge die Fachschule auch in Zukunft immer wieder Kolleginnen und Kollegen sowie Praktikerinnen und Praktiker finden, die sich dieser qualifizierten Arbeit gerne widmen und möge es auch weiterhin Interessenten für diese hochqualifizierte Schulform geben, nicht zuletzt zum Wohlergehen unserer heimischen Wirtschaft und Gesellschaft.